Irlandreise

Samstag, 21. Juli
Am Morgen wird aufgeklart und die Festivalsegler verlassen das Schiff. Abends treffen die Irlandsegler mit dem Zug ein. Das Wetter soll in den kommenden Tagen annähernd sommerlich werden, sagt die Vorhersage.

Sonntag, 22. Juli
Die Tide läuft wie von uns bestellt, sodass wir direkt nach dem Frühstück in Brest ablegen können. Leider ist der bestellte Wind nicht mitgeliefert worden: Die Rade liegt glatt und blank in der Sonne. So tuckern wir bis mittags den vorgelagerten Felsen entgegen. In strahlendem Sonnenschein und völliger Windstille sehen wir noch einmal die Klosteranlage von St. Matthieu und die Felsen vor der Halbinsel Crozon. Dann geht es aufs Meer hinaus, der Ile d`Ouessant entgegen. Eigentlich wollen wir ja mit dem angekündigten leichten Südwind zu den Scillyinseln segeln. Weil der Wind aber ausbleibt und die Felsen so einladend in der Sonne liegen machen wir um 14.30 an einer Mooringboje im Hafen von Le Stiff auf Ouessant fest. Wir werden von einem freundlichen Delphin begrüßt, der ausdauernd das Schiff umschwimmt und uns beobachtet. Die Warnungen des Kapitäns – „Das sind wilde Tiere!“ – werden ignoriert und die Jugend geht mutig voran ins Wasser. Überraschenderweise bleibt der Delphin ganz in der Nähe und beobachtet die Schwimmer aus der Nähe. Schließlich lässt er sich sogar anfassen und lockt die Schwimmer zur Mooringboje. Dort streckt er den Kopf aus dem Wasser, dreht sich auf den Rücken und lässt sich den Bauch kraulen. Was für ein schönes Erlebnis!
Auch die Landgänger berichten viel Schönes vom Geruch der sommerlich blühenden Heidelandschaft, den kleinen Natursteinhäuschen und den grauen Felsen im tiefblauen, spiegelglatten Meer rings um die Ile d` Ouessant. Außerdem ist es heute einmal so richtig schön warm.
Um 19.30 fahren wir aus der Bucht und werden vom Delphin verabschiedet. Ihn werden wir nicht vergessen. Wir verlassen die Bretagne nach 2 schönen Wochen mit Kurs NNW und Ziel Scillyinseln.

Montag, 23. Juli
Kein Lüftchen regt sich und wir fahren unter einem wunderschönen Sternenhimmel. Die Nacht ist warm, Jacken werden nicht gebraucht. Morgens kommt Wind auf, allerdings auch Dünung aus Westen. Um 8.00 setzen wir alle Segel und kommen zunächst nur mäßig und mit großem Geklapper voran. Mittags segeln wir dann mit gut 4 Knoten bei weiterhin Sonne und achterlichem Wind. Gegen 18.00 sind wir in der Ansteuerung zum Hafen von St. Mary auf den Scillyinseln. Die Sonne strahlt, ein leichter Südwind weht, es geht nur eine mäßige Dünung und wir werden überaus freundlich und zuvorkommend empfangen. Schöner kann ein Landfall kaum sein. Wir bekommen sogar einen Liegeplatz an der alten Steinmole, mit Wasser- und Stromanschluß. Abendspaziergänge durch Hugh Town, den Hauptort der Scillies runden den Tag ab. Heute Abend ist der ganze Ort auf den Beinen, des Wetters und des tollen Sonnenunterganges wegen.

Dienstag, 24. Juli
Heute ist ein sonniger, warmer Urlaubstag. Vormittags schlendern wir durch Hugh Town und machen notwendige Besorgungen (Milch, Diesel, Gas, Seekarten) und weniger notwendige, gleichwohl angenehme Besorgungen. Uns beeindrucken vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Insulaner. Es bedarf so einiger Anstrengungen, uns mit Liegeplatz, Diesel und Gas zu versorgen, aber es klappt alles.
Mittags nutzen wir das Hochwasser, um zur unbewohnten Insel Samson zu verholen. Wir ankern im Norden der Insel, ganz nah bei einer Papageientaucherinsel. Blauer Himmel, tiefgrünes Meer, grüne Inseln, baumlos und mit Heidevegetation. Die meisten von uns machen es sich am breiten Sandstrand bequem. Es wird ausgiebig gebadet, gewandert, Muscheln und Steine gesammelt und gelacht. An einem windstillen Tag wie heute, kann man in den sonnenbeschienenen Senken richtig satte Sommergerüche einatmen. Und vom nördlichen Hügel auf Samson sehen wir in allen 4 Himmelsrichtungen Inseln, Felsen und umbrandete Untiefen. Am späten Abend suchen wir uns noch einen neuen Ankerplatz im Sund zwischen den bewohnten Inseln Bryher und Tresco, direkt zu Füßen eines alten Castles. Die Ankerwache kann sich am Sternenhimmel und am Konzert erfreuen, dass die Seevögel zusammen mit der nimmermüden Brandung geben.

Mittwoch, 25. Juli
Früh um 6.00 gehen wir Anker auf und verlassen die Scillies mit Kurs Nordwest. Irland ist unser Ziel und es liegt je nach Hafen 120 bis 180 Seemeilen entfernt. Der Tag beginnt mit Sonnenschein, Windstille und einem Geburtstagsfrühstück für Brigitte. Bis zum nachmittäglichen Geburtstagskaffee nimmt die Bewölkung stetig zu. Mit einem Nebelfeld kommt schließlich der angekündigte Ostwind. Um 17.00 können wir die Maschine stoppen. Unter vollen Segeln laufen wir knappe 5 Knoten. Das bleibt so während der Nacht.

Donnerstag, 26. Juli
Nach dem Frühstück verlässt uns der Nordostwind und wir fahren die letzten 18 Seemeilen bis zur Küste mit Maschine. 10 Seemeilen östlich von Fastnet Rock machen wir bei typisch irischem Nieselregen im Naturhafen von Baltimore fest. Bald kommt aber die Sonne zum Vorschein und wir erkunden das alte Piratennest, von dem einst die berüchtigten O´Driscolls auf Kaperfahrt gingen. Heute beschränken sich die Einwohner auf zeitgemäßere Formen des Geld-aus-der-Tasche-ziehens wie Andenkenverkauf, Gastronomie etc. Wir lassen uns das gern gefallen. Wir sind in Irland und die Sonne scheint!

Freitag, 27. Juli
Nach dem Frühstück geht es mit der Petrine landeinwärts: Wir fahren auf dem River Ilen flussaufwärts. Durch malerische Hügellandschaft, vorbei an Burgruinen und schicken neuen Häusern suchen wir bei auflaufender Flut das tiefe Wasser des Flussbettes. Nach 3 Stunden haben wir das Ende des befahrbaren Flusses erreicht und wir ankern 3 Meilen vor der Stadt Skibbereen. Wir trampen in die Stadt und verschaffen uns dort einen ersten Überblick. Zahlreiche schöne Pubs und 2 abendliche Konzerte sorgen für Kurzweil und gute Laune. Derweil fällt die Petrine in einem knietiefen Rinnsal trocken. Das sorgt für viel Aufmerksamkeit bei vorbeifahrenden Autofahrern und für ein paar Probleme beim umfangreichen Lebensmitteleinkauf, der zur Niedrigwasserzeit an Bord verbracht werden muss. Bei Sonnenschein (heute schon wieder!) alles kein Problem, zumal die Ruderer vom nahe gelegenen Skibbereen Rowing Club hilfreich zur Stelle sind. Kurz vor Mitternacht machen sich die Konzertbesucher mit lauten Rufen vom Ufer aus bemerkbar. Das Rinnsal ist nun wieder ein Fluss und sie wollen per Beiboot übergesetzt werden.

Samstag, 28. Juli
Um 1.30 Uhr starten wir die ;Maschine und fahren in stockfinsterer mondloser Nacht eine Stunde flussabwärts. So wachen wir am Morgen im Sonnenschein vor einem efeubewachsenen Castle und vor allem auch in tiefem Wasser auf. Wir könnten sogleich weiterfahren, aber nach dem Fühstück gibt es erstmal ein morgendliches Bordkonzert. Anschließend wird Lust auf Landgang laut, aber das lässt die Tide nicht mehr zu. Außerdem können wir heute segeln und sogar sportlich. Mit ein paar Kreuzschlägen bei frischem Westwind kommen wir in Sichtweite des Fastnet Rock. Mittags laufen wir in die grandiose Kulisse des Naturhafens auf der Südseite von Clear Island ein. Zwischen 100 Meter hohen Hügeln mit felsiger Steilküste fällt der Anker um 13.30 Uhr. Allen ist sofort klar, dass wir den idealen Platz zum abendlichen Grillen gefunden haben. Zuvor wird aber noch die Insel erkundet. Der lebhafte Nordhafen liegt nur wenige hundert Meter entfernt, denn die Insel ist recht schmal tailliert. Einige schaffen es auch zur Ziegenfarm in den Bergen, zum alten Leuchtturm und zum See in der blühenden Heide. Auch auf Clear Island gibt es abendliche Konzerte; wir können beim Grillen ein paar verwehte Töne mithören. Ansonsten erfreuen wir uns am guten Essen, am dritten sonnigen Tag in Irland und am Mondaufgang über der tollen Szenerie.

Sonntag, 29. Juli
Heute hat Pia runden Geburtstag und der beginnt mit Ständchen, Tänzchen und Frühstück. Anschließend gehen wir Anker auf und entdecken bei der Ausfahrt aus dem Südhafen noch ein paar Höhlen und Torbögen zwischen den Felsen, die uns beim Reinsegeln entgangen sind. Gleich vor dem Hafen setzen wir alle Segel und rauschen mit Ostkurs an der Südküste entlang. Für die Westküste Irlands fehlt es uns am rechten Wind und so segeln wir eben zur Irischen See. Mittags gibt es ein paar Schauer mit wechselnden Winden, auch mal mit Flaute. Abends passieren wir den Old Head Of Kinsale und genießen ein ausgiebiges und sehr leckeres Hühnerfrikassee. Der Wind hat sich wieder stabilisiert und treibt uns zügig der Irischen See entgegen.

Montag, 30. Juli
Schon wieder Geburtstag und diesmal gleich zwei! Herzlichen Glückwunsch, Horst und Jochen. Ein Frühstück unter Segeln mit frischem Gebäck, Gesang und Tanz. Wenig später machen wir in Dunmore East fest, einem Fischereihafen vor Waterford. Vormittags vertreten wir uns die Füße an Land oder schlafen aus. Dann setzen wir wieder Segel und es geht flussaufwärts auf dem River Suir nach Waterford, der ältesten Stadt Irlands. Hier machen wir um 16.00 zum Geburtstagskaffee fest. Es nieselt und im Laufe des Abends kommt mehr und mehr Wasser von oben. Zum Glück gibt es gute Auswahl an Clubs und Pubs mit Livemusik. Dort verbringen wir den Abend bei Bier und Gesang. Auch der Käptn wird auf die Bühne verfrachtet und singt zur Freude des Pubs irische Folksongs. Für viel Heiterkeit sorgt auch die mitternächtliche Rückkehr der Kneipengänger, die bei Niedrigwasser über das Klüvernetz zurück an Bord klettern müssen.

Dienstag, 31. Juli
Nach dem Frühstück und bei strömendem Regen verlassen wir unseren Liegeplatz und fahren mit ablaufendem Wasser flussabwärts. Um 11.00 Uhr haben wir die offene See erreicht und bei mäßigem Südwest können wir sogleich Segel setzen. Die Coastguard schickt eine Wetterwarnung nach der anderen; Starkwind wird für den Nachmittag erwartet. Dennoch umsegeln wir bei trockenem Wetter, moderatem Wind und mit günstiger Tide Carnsore Point, die Südostecke Irlands. Um 19.00 müssen wir vor den Sandbänken von Wexford die Segel bergen. Wir finden den Weg durch die Brandung auf den „continuously changing sands“ und werden in Wexford von der Crew des Seenotretters überaus freundlich empfangen. Man versorgt uns mit Strom, Wasser und Tipps für abendliche Musik und zeigt sich erfreut, dass wir ohne Lotsen den Weg durch die Sände gefunden haben. Spät im Pub hat dann auch der Petrinechor seinen ersten öffentlichen Auftritt.

Mittwoch, 1. August
Heute bleiben wir in Wexford, denn auf der Irischen See stürmt es. Die Freunde vom Lifeboat haben unsere Gangway zwecks Reparatur zur Werkstatt gefahren. Auch sonst kümmern sich die Leute ausgiebig um uns. Der örtliche Bootsclub lädt zur Fahrt mit dem Schnellboot ein und das Interesse der Passanten ist groß. Seit Jahren hat kein größeres Segelschiff Wexford angelaufen wegen der schwierigen Ansteuerung über die Barre. Trotz stürmischen Windes erleben wir einen schönen Tag mit ganz passablem Wetter. Es gelingt sogar, die gewaschene Kleidung zwischen den Schauern zu trocknen. Abends findet eine schöne Jeder-kann-mitmachen-Session im Pub statt. Das hohe musikalische Niveau lässt allerdings heute keine Beiträge unsererseits zu.

Donnerstag, 2. August
Sonnig und windstill beginnt um 6.30 Uhr für uns der Tag. Wir wollen mit dem frühen Hochwasser die Barre überqueren. Drei Männer von der Lifeboat Association sind bei uns zu Gast; eine Motoryacht begleitet uns, um Fotos von diesem in Wexford nicht alltäglichen Ereignis zu machen. So setzen wir die Segel und werden auch gleich mit Wind belohnt. Wir setzen auch die Topsegel und erreichen um 8.00 die offene See. Als die Gäste zur Motoryacht übergesetzt werden sollen sind die Wellen allerdings bereits so hoch, dass dies nicht mehr ohne Gefahr möglich ist. Nach ein paar Versuchen, die Motoryacht längsseits anlegen zu lassen, brechen wir ab und beschließen, die Gäste nach Arklow zu bringen, etwa 30 Meilen weiter nördlich. Liegt ja sowieso am Weg. Bis um 14.00 segeln wir herrlich bei Sonnenschein und zunehmendem achterlichen Wind. Vor Arklow werden die Segel geborgen und Petrine macht, von vielen netten Menschen erwartet, in der Mündung des Flusses fest. Überrascht stellen wir fest, in einer echten alten Seefahrerstadt gelandet zu sein. „An Arklowman has always been a seaman“ steht auf der Tafel am kleinen Park, der an die auf See Gebliebenen erinnert. Unsere Freunde laden zur Besichtigung des Lifeboats ein: In Arklow wurde die erste irische Lifeboatstation gegründet. Auch über das Vereinsgelände der Seascouts werden wir geführt; hier wird der Nachwuchs mit Wasser und Seefahrt vertraut gemacht. Obendrein ist hier ab morgen Abend Hafenfest… Mit schlechtem Gewissen legen wir dennoch um 16.30 Uhr ab, denn der überaus günstige Südwind auf der Irischen See lockt doch zu sehr. So sehen wir die Wicklow Mountains im Sonnenschein, während Tide und Wind uns mit mehr als 8 Knoten dahinfliegen lassen. In der Abenddämmerung passieren wir die Lichter der irischen Metropole: Dublin leuchtet hell an Backbord.

Freitag, 3. August
Nach Mitternacht reduzieren wir die Segel, denn wir können nicht vor 8.00 ins Carlingford Lough einlaufen: Der Ebbstrom dort läuft mit mehr als 6 Knoten. Deswegen sind die Fahrwassertonnen dort auch bootsförmig gebaut – mit Kiel und Segel – und sie wenden sich jeweils mit dem Bug gegen den Strom, um nicht unter Wasser gedrückt zu werden. Wahr oder gelogen? Gelogen, hätte ich gesagt und es wäre falsch gewesen.
Während des Frühstücks spült uns der Flutstrom ins wunderschöne Carlingford Lough. 500 Meter hohe bewaldete und beweidete Berge auf beiden Seiten, Burgruinen aus der Wikingerzeit und aus späteren Zeiten; von alledem sehen wir nichts, denn es regnet in Strömen und wir sehen kaum die Ufer. Um 9.30 Uhr soll der Anker vor Carlingford fallen, was er aber nicht tut, denn die Kette hat sich im Seegang verunklart. 2 Minuten später schmeißen wir den Reserveanker an einer Trosse über die Reling. Nun liegen wir erstmal sicher im flachen Wasser, können die Kette klarieren und auf Hochwasser warten. Um 12.20 Uhr machen wir in Carlingford direkt vor der Burgruine von König Johann-ohne-Land fest. Angeblich hat er hier im 12. Jahrhundert die Magna Carta formuliert. Das Städtchen ist eines der schönsten von ganz Irland, mit mittelalterlichen Gässchen, alter Stadtmauer, vielen Ruinen und einem großen Hafen, der die meiste Zeit des Tages trockenfällt. Auch der Himmel bleibt für den Rest des Tages zwar bedeckt, aber trocken.

Samstag, 4. August
Regen in Carlingford, Wolkenuntergrenze 200m, Sicht etwa 2 km. Was machen wir denn nun? Zunächst wird das Sonnensegel über den Niedergang gespannt. Carlingford und seine Ruinen sind auch bei Regenwetter schön. Außerdem hört der Regen mittags auf. Und nachmittags wandern wir in die Berge bei Sonnenschein! Der Blick aufs Lough und hinaus auf die Irische See belohnen für den Aufstieg auf 600 Meter. Die Cooley Halbinsel ist Schauplatz der ältesten irischen Sagen. Hier sind Luft und Landschaft voller Geheimnisse und Geschichten. Und abends essen wir Irish Stew und Stockbrot am Torffeuer. Niemand will heute ins Pub, denn es ist wunderbar gemütlich in der Abendsonne an Deck und im Salon. Und Michael sorgt für die Musik.

Sonntag, 5. August
Mittags verlassen wir mit dem Hochwasser den gastlichen Hafen von Carlingford. Ziel ist die Isle Of Man. Und der Wind weht günstig aus Westen, also werden alle Segel gesetzt. Leider verlässt uns unmittelbar nach der Ausfahrt ins Loch der Wind. Völlige Flaute, Petrine steht ein paar Stunden dekorativ auf dem Wasser herum. Währenddessen wälzen wir Handbücher und Reiseführer auf der Suche nach Alternativen in der Nähe. Um 20.00 Uhr starten wir die Maschine. Der Hafen von Ardlass, County Down in Nordirland, 3 Stunden Maschinefahrt entfernt, erscheint attraktiv. Kaum sind die Segel hafenfein verpackt, setzt ein leichter Nordwest ein. Ab 20.40 segeln wir mit 3 bis 4 Knoten auf Ostkurs. Ziel ist nun wieder die Isle Of Man.

Montag, 6. August
Um 7.00 Uhr machen wir an der Außenmole des Hafens von Peel auf der Isle Of Man fest. Immerhin ein Liegeplatz, nicht nur eine Mooring oder eine Ankerbucht. Im Laufe des Tages verbessern wir unsere Lage weiter und am Abend liegen wir vor der Sielschleuse zur Marina. Strom- und Wasseranschluss. Bei Hochwasser reger Jacht- und Fischereiverkehr, bei Niedrigwasser ein Gebirgsbächlein an dessen Ufer ein grünen Wal gestrandet ist. Am anderen Ufer, dort wo die Sonne untergeht, eine weitläufige tausend Jahre alte Burgruine vor grünen Hügeln und blauem Meer. Das Städtchen ist hübsch und ruhig. Der Bus zur Inselhauptstadt Douglas fährt 20 Minuten und dort herrscht der Trubel einer Metropole. Der 600 Meter hohe Inselgipfel kann in anderthalb Stunden mühelos mit Hilfe einer 130 Jahre alten Elektroeisenbahn erklommen werden. Auf dem Gipfel überaus wohlriechende baumlose Heidelandschaft in kühlem Nebel. Erstaunlich, dass sich inmitten all dieser Wunder der halbe Ort für das dicke grüne German Ship im Hafen interessiert. Abends essen wir Manx Kippers. Heringe, die eine Woche lang in kaltem Rauch hingen, was ihnen und uns sehr gut bekommt, denn auf der Insel werden auch die passenden Verteiler produziert.

Dienstag, 7. August
Auch heute bleiben wir in Peel. Ein sonniger, ruhiger Tag im schönen Städtchen. Oder ein turbulenter Tag in Douglas. Oder ein Busausflug zur Südküste. Oder eine stundenlange Wanderung nach Ramsey an der Nordspitze. Oder eine museale Eisenbahnfahrt ins Hochland. Alles bei Sonnenschein, denn es hat sich ein Hochdruck durchgesetzt mit Sonne und Windstille.
Auch morgen bleiben wir in Peel.

Mittwoch, 8. August
Auch heute bleiben wir in Peel. Ein schöner, sonniger Urlaubstag.

Donnerstag, 9. August
Trotz Windstille verlassen wir früh um 6.00 Uhr den Liegeplatz am Bach vor dem Castle im schönsten Hafen, den die Petrine je sah. Wir tuckern über die Irische See nach Nordwesten zum Belfast Lough. Im spiegelglatten Wasser sind öfters auftauchende Wale oder Delphine zu erkennen. Leider sieht man aber auch ungewöhnlich viel Müll herumschwimmen. Um 17.00 machen wir wieder vor einem Castle fest, im Hafen von Carrickfergus. Dort will man uns aber nicht liegenlassen, wir sollen in die Marina verholen. Dort ist es aber teuer statt gemütlich und so gehen wir westlich des Hafens vor Anker. Das Belfast Lough liegt windstill und spiegelglatt in der Abendsonne.

Freitag, 10. August
Heute hat Matti Geburtstag und zum Frühstück wird gesungen und Kuchen gegessen im geschmückten Salon. Anschließend tuckern wir zum Hafen von Belfast. Hier machen wir um 10.30 Uhr in der Abercorn Marina direkt vor dem neuen Titanic-Quarter fest. Nach 746 Seemeilen ist dieser Törn nun zuende. Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter! Auch heute scheint die Sonne den ganzen Tag. Der Wind hat in den 3 Wochen manchmal gefehlt, aber wenn er geweht hat, dann günstig und mit der richtigen Stärke. Nicht einmal mussten wir reffen.
In den Abendstunden sitzen wir an Deck vor wunderbarem Sonnenuntergang. Oder gehen auf ein oder 5 Pints in den Pub und lauschen der Musik.

Samstag, 11. August
Bis mittags klaren die Irlandsegler das Schiff auf; so langsam trudeln die ersten Schottlandsegler an Bord ein. Ein neues Kapitel!

Jochen Storbeck
Über den Autor
Jochen Storbeck segelt seit 1991 mit der Petrine und wohnt seit 2002 in Vitte auf der Insel Hiddensee.