Auf nach Brest!

Wann beginnt denn so eine Reise? Begann sie in Friedrichstadt, als wir am 9. Juni bei strömendem Regen mit der Schiffergilde von der Eider auf die Nordsee hinausfuhren? Wir erreichten Helgoland, segelten über hohe See nach Spiekeroog und entlang schwankender Pricken zur Minsener Oog. Am 16. Juni endete der Törn in Wilhelmshaven. Sodann erlebten wir eine Woche bei sehr günstigen östlichen Winden auf den ostfriesischen Inseln. Minsener Oog, Spiekeroog, Norderney, Juist, Borkum. Am frühen Morgen des 23. Juni kamen wir in Enden an. Am selben Tag verließen wir Deutschland, Salzwasser und Segelei und begaben uns auf eine ereignisreiche Reise durch holländische Kanäle. Wir durchfuhren ein Land mit hoher Verkehrsdichte zu Lande und zu Wasser und manchmal überall zugleich. Wir unterquerten Eisenbahnen, überquerten Autobahnen, passierten 85 Brücken und 10 Schleusen. Und auf Ijsselmeer und Markermeer konnten wir 2 Tage prima segeln. Schließlich gelangten wir nach Rotterdam.

Samstag, 30. Juni 2012
Um 18.00 Uhr sind alle Mitsegler an Bord. Wir essen zu Abend, lernen uns kennen und beschließen, wegen anhaltenden Südwestwindes morgen nicht auf die Nordsee hinauszufahren. Wir wollen landeinwärts zum Rheindelta fahren und auf günstigen Wind warten.

Sonntag, 1. Juli
Um 10.00 passieren wir die Erasmusbrücke und tuckern auf der Neuen Maas in Richtung Dordrecht. Über die Alte Maas und den Dordrechtschen Kil erreichen wir das Hollandsche Diep, wo uns kräftige Regenschauer erwarten. Am Nachmittag legen wir ein Päuschen im schönen Städtchen Willemstad ein. Um 21.00 machen wir hinter einer alten Schleuse auf einer Wiese in Benedensas fest. Wunderschön ruhig und grün hier, nach all der Industrielandschaft, die wir heute passiert haben. Der Tag klingt aus mit dem Endspiel der Europameisterschaft.

Montag, 2. Juli
Früh um 6.00 starten wir zur Krammerschleuse, die uns vom Volkerak zum Mastgat bringt. Um 10.00 können wir segeln! Bei mäßigem Süd – und zum Glück auch mäßigem Berufsverkehr – kreuzen wir auf der Oosterschelde. Nach Passage der Zandkreekschleuse können wir auch auf dem Veersen Meer prima segeln. Heute ist endlich der Sommer ausgebrochen. Die Sonne scheint: Sonnencreme ist gefragt statt Regenkombi. Und die Landschaft, die wir hier in Noord-Brabant erleben, ist das schönste Stück Holland, das wir bislang sahen. Alles in Holland ist ja menschengemacht, auch die unberührte Natur hier im Veerse Meer. Aber Schilfgürtel, Wälder und Strände sind besonders gelungen und verwöhnen das Auge. Um 15.00 machen wir in Veere fest. Dom, Festung und Kirche, der alte Sielhafen, der mittelalterliche Ortskern laden zum Rundgang ein. 18.00 starten wir zur Fahrt auf dem Kanal durch Walcheren. Heute Abend wollen wir in Vlissingen sein, denn morgen ist vielleicht der Wind günstig, um nach Dover oder Calais zu segeln. Vielleicht sogar noch weiter?

Dienstag, 3. Juli
Nichts ist geworden aus dem günstigen Wind. Stattdessen sind wir von Vlissingen noch weiter nach Breskens gefahren. Dort saßen wir 2 Stunden auf einer Sandbank fest, bevor wir um 23.00 im Hafen festmachen konnten und Wasser bunkerten. Morgens sind wir dann von 6.00 bis 13.00 in der Flaute nach Nieuwpoort motort. Wir liegen schön zentral, können die Cafes genießen oder einkaufen. Wir warten die gegenlaufende Tide ab und um 18.00 fahren wir weiter nach Westen. Um Mitternacht fällt der Anker vor Calais.

Mittwoch, 4. Juli 2012
Der Südost ist da. Früh um 5.00 gehen wir Anker auf, setzen die Segel und passieren um 8.00 Cap Gris Nez. Jetzt sind wir im Englischen Kanal, „La Manche“ sagen die Franzosen. Die Tide hilft viel, der Wind aber nur wenig. Außerdem lockt La France. So machen wir mittags in Boulogne-sur-Mer fest. Einige fahren mit dem Taxi ins Stadtzentrum und berichten von einer schönen Altstadt. Andere bleiben an Bord, genießen die wärmende Sonne und lassen es ruhig angehen.
Für die kommenden Tage sind leichte Winde aus verschiedenen Richtungen, meist aber Südost angesagt. Wir wollen um 16.30 ablegen und zur Halbinsel Cherbourg fahren, möglichst segeln. Mal schauen…

Donnerstag, 5. Juli

Viel Wind ist nicht gewesen. Wenn er wehte, haben wir ihn genutzt. Morgens können wir ein paar Stunden segeln, mittags wieder, meistens läuft die Maschine und bringt uns bis vor Barfleur. Das Wetter ist sommerlich freundlich und warm. Wir haben das Gefühl, in den Sommer zu fahren. Um 19.50 Uhr fällt der Anker vor Barfleur und eine Beibootmannschaft erkundet, wann und wo wir im Hafen anlegen können. Wir werden freundlich empfangen und können um 22.00 in den Hafen verholen. Dort bekommen wir Wasser, das wir dringend brauchen und ein schönes Stück Frankreich zu sehen. Wir bleiben bis morgen Mittag.

Freitag, 6. Juli
Ein Fischer behauptet, Barfleur sei der drittschönste Hafen Frankreichs. Wir würden auch glauben, er sei der schönste. In den Morgenstunden ist kein Wasser im Hafen. Die vielen Fischerboote liegen trocken im Kies und es ist nicht so einfach, Baguettes zum Frühstück an Bord zu holen. Vormittags sammeln wir Muscheln und Krebse auf den Felsen und am Strand bis das Wasser wiederkommt. Beim Spaziergang durch die Gassen bewundern wir die phantasievollen getöpferten Hausnummern. Mit steigendem Wasser wird es lebhaft im Hafen. Fischer kehren zurück und bauen Verkaufsstände auf die Pier. Muscheln, Fische, Garnelen sehen so appetitlich aus, dass wir uns reichlich fürs Abendessen eindecken.
Bevor das Wasser wieder verschwindet, verlassen wir um 13.30 den gastlichen Hafen. Wir werden lange von einem Delphin begleitet, der sich ausgiebig filmen und fotografieren lässt. So dürfen wir auf glückliche Fahrt durch das Race of Aldernay hoffen. Dieser Gezeitenstrom an der Nordwestecke der Halbinsel Cotentin lässt das Wasser auch bei annähernder Windstille wie kochend aussehen. Wir machen zeitweise über 12 Knoten Fahrt über Grund. In den Abendstunden kommt ein wenig Südwind auf und wir setzen die Segel. Der leckere Fisch aus Barfleur rundet den Tag ab.

 

Samstag, 7. Juli
Lange bleibt uns der Wind nicht gewogen. Um Mitternacht starten wir die Maschine und wollen zur Insel Sark motoren um dort zu ankern. Der Wind nimmt aber immer weiter zu aus Südwest und dazu regnet es. So laufen wir um 4.00 in den Hafen von St. Peter Port auf Guernsey ein. Wir machen bei Niedrigwasser an einer riesenhohen Fischereipier fest. Im Laufe der nächsten 6 Stunden wird das Wasser um 9 Meter steigen, so gewaltig ist hier der Tidenhub.
Es regnet aus Kübeln und am Vormittag nimmt der Wind ordentlich zu. So fällt es uns leicht, einen Tag in St. Peter und auf Guernsey zu verbringen. Die Stadt und die landschaftliche schöne Insel laden bei diesem Wetter eher ein als die aufgewühlten Gewässer ringsum. Auch der schwierige Landgang und die langen Wege im Hafen lassen sich gut ertragen; Hauptsache wir liegen bei diesem Wetter im Hafen.

Sonntag, 8. Juli
Um 9.00 wollen wir bei nunmehr moderatem West bis Nordwestwind zur bretonischen Nordküste segeln. Das klappt auch ganz gut. Wir setzen Segel und laufen 4 bis 6 Knoten hoch am Wind in mäßig bewegter See. Unser erster „richtiger“ Segeltag! Um 20.00 fällt bei feinstem Sonnenschein der Anker südlich der Ile de Behat, auch Ile de Fleurs, Insel der Blumen, genannt. Wir haben die Bretagne erreicht.

Montag, 9. Juli
Vormittags finden ausgiebige Landgänge auf der felsigen und bunten Ile de Behat statt. Geranien wachsen hier bis unters Dach an der Hauswand empor; wir sehen Feigen, Eukalytus, Hortensien, Palmen. Anscheinend sind die Sommer hier üblicherweise wärmer und sonnenreicher als dieser Sommer. Ein hübsches Schlösschen, 2 kleine Leuchttürme und viele Häuschen und Villen aus Naturstein ergänzen die natürlichen Reize dieser sehr besonderen Insel. Der Tidenhub von 8 Metern macht uns etwas Mühe beim Ankern, aber das beeinträchtigt nicht die Freude über dieses herrliche Stückchen Bretagne.
Mittags gehen wir Anker auf und um 14.00 sind wir frei von allen vorgelagerten Felsen. Wir kreuzen gegen leichten Westwind vor der bretonischen Nordküste. Später wird dann noch eine sportliche Übung daraus und am Abend gehen wir in der Bucht von Anse de Perros vor Anker.

Dienstag, 10. Juli
Ein Landgang scheint hier nicht so recht lohnend und so verlassen wir nach einem ruhigen Vormittag die Bucht und motoren gegen den Westwind an der Rosa Granitküste entlang. Tolle Felsformationen liegen hier an Land und im Wasser davor. Frei von den Felsen setzen wir Segel und kreuzen in der Bucht von Morlaix dem Hafen von Roscoff entgegen. Am Abend machen wir hier fest und erkunden in der Dämmerung die schöne Altstadt. Ein ganz bezauberndes Natursteinstädtchen mit einem früher bedeutenden Fischereihafen. Noch heute ist der Hafen groß und gastfreundlich. Wir hoffen auf günstigen Wind für Morgen…

Mittwoch, 11. Juli
Roscoff bezaubert uns mit schönen Cafes und einem großen Wochenmarkt. Dort füllen wir die Backskisten wieder auf. Das macht Freude bei Sonnenschein und einem tollen Angebot an Obst, Gemüse, Fisch, Wurst und Käse. Mittags machen wir uns trotz kräftigem Westwind auf den Weg und motoren gegenan. Das Schiff bewegt sich erheblich in kurzer, steiler Welle und wir schaffen es nicht, bis zur Nordwestecke der Bretagne in den Chenal du Four zu gelangen. Abends machen wir im Hafen von L`Aber Wrac`h in einer Flussmündung fest. Morgen vielleicht…

Donnerstag, 12. Juli
Es regnet. Und es wird den ganzen Tag regnen. Mal weniger, mal mehr, aber regnen wird es ständig. Obendrein weht es von vorne. Nach dem Mittagessen wagen wir einen Versuch auf der offenen See. Es ist ungemütlich, aber machbar. Gegen 15.00 können wir Südkurs steuern im Chenal du Four. Hier haben wir mitlaufende Tide und fahren dennoch gegen Wind und hohe Wellen nur 3 bis 4 Knoten über Grund. Am Abend kentert die Tide, da sind es dann weniger als 2 Knoten, die wir vorwärts kommen. Immerhin lässt die Welle nach, denn wir haben Landschutz durch die vorgelagerten Inseln. Nun denke mal keiner, an solchen Tagen käme das Leben an Bord zum Erliegen. Crissie backt auch bei diesen Verhältnissen Kuchen. Und abends gibt es leckeren Meeraal vom Markt in Roscoff mit Gemüse und Reis. Um 21.30 haben wir endlich den Chenal du Four achteraus und können das gereffte Groß setzen. Wir passieren den Point de Saint Matthieu, der mit seinem Leuchtturm und einer alten Klosteranlage in der Abendsonne so einen wunderschönen Anblick bietet. Wir sehen ihn kurz zwischen zwei Regenschauern im Dunst auftauchen. Aber wir segeln! Zum ersten Mal auf dieser Reise segeln wir nicht hoch am Wind, sondern vor dem Wind. Ein ganz neues Gefühl. Um Mitternacht gehen wir im Hafen von Camaret-sur-Mer zu Anker. Vor hier ist es nicht mehr weit nach Brest.

Freitag, 13. Juli
Nach dem Frühstück beschließen wir, den Tag in Camaret zu verbringen. Das Wetter ist weiterhin sehr aprilhaft, oft regnet es, aber es gibt auch schöne sonnige Momente. Camaret bietet schöne Wanderungen an der Atlantikküste zur Westspitze der Halbinsel Crozon. Einige schaffen es bis dorthin durch blühende Heidelandschaft und sehen die vorgelagerten torartigen Felsformationen. Andere decken sich in den zahlreichen Galerien mit Kunstwerken und Kunsthandwerk ein oder trinken einen Cafe und gucken den Franzosen zu. Abends gibt es dann ein kleines Fest am Hafen in Erwartung des morgigen Nationalfeiertages. Um 23.00 beschließt ein Feuerwerk diesen tollen Tag. Auch für unsere Reise ein schöner Abschluß.

Samstag, 14. Juli
Früh um 7.00 gehen wir im Hafen von Camaret Anker auf. Es regnet. Vor dem Hafen setzen wir die Segel und siehe da, wir werden mit Sonneschein belohnt. So sehen wir die bretonische Felsenküste im ersten Morgenlicht. Es wird an Deck gefrühstückt und ausgelassen rumgealbert, denn nun ´haben wir es wirklich geschafft: Schwierige Wetterverhältnisse und doch bis zum Schluß eine schöne Stimmung an Bord! Vor lauter Freude segeln wir mit allen 7 Segeln durch den Port du Commerce über das Festivalgelände. Wir bewundern die vielen schönen Schiffe, die hier festgemacht haben. Danach gehen wir zu Anker und klaren das Schiff auf. Diese Reise ist nun nach 606 Seemeilen zu Ende.
Um 12.00 Uhr verlassen beinahe alle Mitsegler die Petrine beim Port du Moulin Blanc in Brest und treten gesund und fröhlich die Heimreise an.
Um 13.00 macht die Petrine bei der Fete Maritime im Port de Commerce fest. Nun warten wir auf die Festivalmitsegler.

La Fète Maritime

Samstag, 14. Juli
Um 12.00 Uhr verlassen beinahe alle Mitsegler die Petrine beim Port du Moulin Blanc in Brest und treten gesund und fröhlich die Heimreise an.
Um 13.00 macht die Petrine bei der Fete Maritime im Port de Commerce fest. Nun warten wir auf die Festivalmitsegler.
Bis zum Abend treffen alle Mitsegler der Festivalcrew an Bord ein. Wir gewöhnen uns an das hiesige Geschehen, denn auf allen 3 längsseits liegenden Schiffen finden Parties mit Musik statt. Vor Mitternacht gibt es ein großes beeindruckendes Feuerwerk mit Lasershow, Musik und Geschichten.

Sonntag, 15. Juli
Beim Frühstück bekommen wir Nachricht, dass ein Liegeplatz für uns im Fluß Penfeld gefunden wurde. Ruhiger sei es dort, bequem an Land zu kommen und nette Gesellschaft gibt es auch. Da freuen wir uns! Erstmal legen wir dennoch ab, um vor dem Hafen auf der Rade de Brest Parade zu segeln. Hunderte großer und kleiner Segelschiffe sind dort unterwegs, begleitet von hunderten kleinen und großen Motorbooten voller Fotografen und Schaulustigen. Der Wind weht mit Stärke 4, manchmal 5, genau richtig für so ein Schausegeln. Während wir und andere uns, je nach Schiffstyp, mit 5 bis 10 Knoten bewegen, donnert plötzlich ein Trimaran an uns vorbei. Die Geschwindigkeit muss etwa bei 100 km/h liegen und hat nichts mit dem zu tun, wie sich andere Schiffe fortbewegen. Das Gerät ist von erheblicher Größe, geschätzte 30m Masthöhe, und auch die Geräuschentwicklung ist sehr gewöhnungsbedürftig. Schiff oder Flugzeug? Auf jeden Fall bewegt es sich mit Windkraft vorwärts und zwar erheblich schneller, als der Wind überhaupt weht. Wir sind tief beeindruckt.
Um 16.00 machen wir im Penfeld längsseits des Frachtseglers Tres Hombres fest. Hier gefällt es uns sehr, auch wenn der Ausdruck „ruhig“ zunächst mal nicht passend ist. Von hier aus können wir das Festivalgeschehen beobachten und je nach Lust und Laune uns von den vorbeischiebenden Massen forttragen lassen.

Montag, 16. Juli
Heute wollen wir wieder auf der Rade de Brest segeln und abends beim Fluß L´Aulne grillen. Vielleicht weht aber zu viel Wind? 6 Windstärken fegen über die Rade und wir reffen Groß und Besan. Mit 8 Knoten sausen wir übers Wasser. Zunächst über die Rade und dann den von steilen, waldigen Ufern gesäumten Fluss hinauf. Nachmittags gehen wir für eine Kaffee- und Badepause zu Anker. Ein Erkundungsausflug meldet gute Grillverhältnisse im Dorf Tregarvan. Wir machen es uns auf einer ufernahen Wiese mit Tischen und Bänken gemütlich und schlemmen in den Abend hinein. Mit der Dunkelheit kommt um 22.30 der Regen und wir verholen uns zurück aufs Schiff. Zwecks sorgloser Nachtruhe gehen wir Anker auf und machen um 23.00 an einer riesengroßen Mooringboje fest. Ringsum ist es völlig dunkel, kein künstliches Licht, kaum noch Wind, der Regen rauscht in den Bäumen.

Dienstag, 17. Juli
Früh um 7.00 geht es weiter, um die Tide zu nutzen. Um 9.20 können wir Segel setzen und den in Brest auslaufenden Seglern entgegen segeln. Erst im Hafen, unmittelbar vor dem Penfeld, nehmen wir die Segel weg und machen um 12.00 wieder an unserem Liegeplatz fest. Im Laufe des Tages bessert sich das Wetter, auch die Sonne scheint gelegentlich. Wir erfreuen uns, ein jeder auf seine Weise, am lebhaften Festivalgeschehen ringsum.

Mittwoch, 18. Juli
Heute wollen wir nach Douarnenez segeln. Erstmal nehmen wir aber Abschied vom turbulenten Festivalgeschehen in Brest. Eine letzte Dosis An- und Ablegetrubel, Dudelsackpfeifen, Kinderbelustigung, Schiffsgewerkel, dann fahren wir mittags aus dem Penfeld heraus. Wir motoren westwärts aus der Rade de Brest auf den Atlantik hinaus. Dort können wir Segel setzen und kreuzen am Nachmittag durch die Felsen vor der Halbinsel Crozon. Tolle Formationen, mit Torbögen, steilen Gipfeln und brütenden Vögeln zu tausenden. Anschließend können wir ohne Mühe das Cap de la Chevre passieren und dann vor dem Wind in die Bucht von Douarnenez segeln. Leider sehen wir nicht viel davon, denn es regnet meist und die Sicht ist mäßig bis saumäßig. Aber wir laufen bis zu 8 Knoten. Um 19.30 machen wir in Douarnenez fest; es ist noch Zeit für einen Spaziergang im kleinen Städtchen, das morgen sehr lebhaft werden wird.

Donnerstag, 19. Juli
Heute ist der Tag der Grand Parade. Hunderte Segelschiffe wollen von Brest nach Douarnenez segeln, denn das Fest in Brest endet und die Temps Fete in Douarnenez beginnt. Hoffentlich ist die Sicht heute besser als gestern. Den Vormittag nutzen wir, um uns das Festivalgeschehen im Hafen und die wunderschöne Altstadt anzusehen. Um 14.00 legen wir ab und kreuzen der Grand Parade entgegen. Bei sonnigem Wetter und mit achterlichem Wind bekommen wir hunderte schöner Segelschiffe zu sehen; die Grand Parade wird ein voller Erfolg. Wir segeln trotzdem nicht nach Douarnenez zurück, denn nach all dem Trubel steht uns der Sinn nach Ruhe. In den Abendstunden passieren wir erneut die Felsformationen der Tas de Pois und der Roches de Toulinguet, diesmal in der Abendsonne und bei ruhiger See. Um 22.00 werfen wir unmitelbar vor dem Hafen von Camaret-sur-Mer die Maschine an, bergen die Segel und gehen im großen Hafenbecken zu Anker. Ein toller Tag.

Freitag, 20. Juli
Bis zum Nachmittag bleiben wir in Camaret. Bei den derzeitigen Springtiden fällt die Petrine komplett trocken und wir können das Unterwasserschiff begutachten, Krebse fangen, Muscheln sammeln. Am Nachmittag wird ein großer Lebensmitteleinkauf für die Irlandreise verstaut und dann segeln wir los. Bei fottem Wind geht’s auf Brest zu und um nicht schon am Nachmittag dort festzumachen, segeln wir auf den Fluß Elorne. Hier geht es zwischen überaus hübschen Dörfchen und bewaldeten Hügeln gemächlich im Abendsonnenschein landeinwärts. Später schiebt uns der Ebbstrom wieder zurück zur Mündung und um 22.00 machen wir im Port du Commerce in Brest fest. Letzte Reste des Festivals in Form von Zelten und vereinzelten Schiffen finden sich noch im Hafen.

Samstag, 21. Juli
Am Morgen wird aufgeklart und die Festivalsegler verlassen das Schiff. Heute Abend sollen die Irlandsegler mit dem Zug eintreffen. Das Wetter soll in den kommenden Tagen annähernd sommerlich werden, sagt die Vorhersage.

Irlandreise

Samstag, 21. Juli
Am Morgen wird aufgeklart und die Festivalsegler verlassen das Schiff. Abends treffen die Irlandsegler mit dem Zug ein. Das Wetter soll in den kommenden Tagen annähernd sommerlich werden, sagt die Vorhersage.

Sonntag, 22. Juli
Die Tide läuft wie von uns bestellt, sodass wir direkt nach dem Frühstück in Brest ablegen können. Leider ist der bestellte Wind nicht mitgeliefert worden: Die Rade liegt glatt und blank in der Sonne. So tuckern wir bis mittags den vorgelagerten Felsen entgegen. In strahlendem Sonnenschein und völliger Windstille sehen wir noch einmal die Klosteranlage von St. Matthieu und die Felsen vor der Halbinsel Crozon. Dann geht es aufs Meer hinaus, der Ile d`Ouessant entgegen. Eigentlich wollen wir ja mit dem angekündigten leichten Südwind zu den Scillyinseln segeln. Weil der Wind aber ausbleibt und die Felsen so einladend in der Sonne liegen machen wir um 14.30 an einer Mooringboje im Hafen von Le Stiff auf Ouessant fest. Wir werden von einem freundlichen Delphin begrüßt, der ausdauernd das Schiff umschwimmt und uns beobachtet. Die Warnungen des Kapitäns – „Das sind wilde Tiere!“ – werden ignoriert und die Jugend geht mutig voran ins Wasser. Überraschenderweise bleibt der Delphin ganz in der Nähe und beobachtet die Schwimmer aus der Nähe. Schließlich lässt er sich sogar anfassen und lockt die Schwimmer zur Mooringboje. Dort streckt er den Kopf aus dem Wasser, dreht sich auf den Rücken und lässt sich den Bauch kraulen. Was für ein schönes Erlebnis!
Auch die Landgänger berichten viel Schönes vom Geruch der sommerlich blühenden Heidelandschaft, den kleinen Natursteinhäuschen und den grauen Felsen im tiefblauen, spiegelglatten Meer rings um die Ile d` Ouessant. Außerdem ist es heute einmal so richtig schön warm.
Um 19.30 fahren wir aus der Bucht und werden vom Delphin verabschiedet. Ihn werden wir nicht vergessen. Wir verlassen die Bretagne nach 2 schönen Wochen mit Kurs NNW und Ziel Scillyinseln.

Montag, 23. Juli
Kein Lüftchen regt sich und wir fahren unter einem wunderschönen Sternenhimmel. Die Nacht ist warm, Jacken werden nicht gebraucht. Morgens kommt Wind auf, allerdings auch Dünung aus Westen. Um 8.00 setzen wir alle Segel und kommen zunächst nur mäßig und mit großem Geklapper voran. Mittags segeln wir dann mit gut 4 Knoten bei weiterhin Sonne und achterlichem Wind. Gegen 18.00 sind wir in der Ansteuerung zum Hafen von St. Mary auf den Scillyinseln. Die Sonne strahlt, ein leichter Südwind weht, es geht nur eine mäßige Dünung und wir werden überaus freundlich und zuvorkommend empfangen. Schöner kann ein Landfall kaum sein. Wir bekommen sogar einen Liegeplatz an der alten Steinmole, mit Wasser- und Stromanschluß. Abendspaziergänge durch Hugh Town, den Hauptort der Scillies runden den Tag ab. Heute Abend ist der ganze Ort auf den Beinen, des Wetters und des tollen Sonnenunterganges wegen.

Dienstag, 24. Juli
Heute ist ein sonniger, warmer Urlaubstag. Vormittags schlendern wir durch Hugh Town und machen notwendige Besorgungen (Milch, Diesel, Gas, Seekarten) und weniger notwendige, gleichwohl angenehme Besorgungen. Uns beeindrucken vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Insulaner. Es bedarf so einiger Anstrengungen, uns mit Liegeplatz, Diesel und Gas zu versorgen, aber es klappt alles.
Mittags nutzen wir das Hochwasser, um zur unbewohnten Insel Samson zu verholen. Wir ankern im Norden der Insel, ganz nah bei einer Papageientaucherinsel. Blauer Himmel, tiefgrünes Meer, grüne Inseln, baumlos und mit Heidevegetation. Die meisten von uns machen es sich am breiten Sandstrand bequem. Es wird ausgiebig gebadet, gewandert, Muscheln und Steine gesammelt und gelacht. An einem windstillen Tag wie heute, kann man in den sonnenbeschienenen Senken richtig satte Sommergerüche einatmen. Und vom nördlichen Hügel auf Samson sehen wir in allen 4 Himmelsrichtungen Inseln, Felsen und umbrandete Untiefen. Am späten Abend suchen wir uns noch einen neuen Ankerplatz im Sund zwischen den bewohnten Inseln Bryher und Tresco, direkt zu Füßen eines alten Castles. Die Ankerwache kann sich am Sternenhimmel und am Konzert erfreuen, dass die Seevögel zusammen mit der nimmermüden Brandung geben.

Mittwoch, 25. Juli
Früh um 6.00 gehen wir Anker auf und verlassen die Scillies mit Kurs Nordwest. Irland ist unser Ziel und es liegt je nach Hafen 120 bis 180 Seemeilen entfernt. Der Tag beginnt mit Sonnenschein, Windstille und einem Geburtstagsfrühstück für Brigitte. Bis zum nachmittäglichen Geburtstagskaffee nimmt die Bewölkung stetig zu. Mit einem Nebelfeld kommt schließlich der angekündigte Ostwind. Um 17.00 können wir die Maschine stoppen. Unter vollen Segeln laufen wir knappe 5 Knoten. Das bleibt so während der Nacht.

Donnerstag, 26. Juli
Nach dem Frühstück verlässt uns der Nordostwind und wir fahren die letzten 18 Seemeilen bis zur Küste mit Maschine. 10 Seemeilen östlich von Fastnet Rock machen wir bei typisch irischem Nieselregen im Naturhafen von Baltimore fest. Bald kommt aber die Sonne zum Vorschein und wir erkunden das alte Piratennest, von dem einst die berüchtigten O´Driscolls auf Kaperfahrt gingen. Heute beschränken sich die Einwohner auf zeitgemäßere Formen des Geld-aus-der-Tasche-ziehens wie Andenkenverkauf, Gastronomie etc. Wir lassen uns das gern gefallen. Wir sind in Irland und die Sonne scheint!

Freitag, 27. Juli
Nach dem Frühstück geht es mit der Petrine landeinwärts: Wir fahren auf dem River Ilen flussaufwärts. Durch malerische Hügellandschaft, vorbei an Burgruinen und schicken neuen Häusern suchen wir bei auflaufender Flut das tiefe Wasser des Flussbettes. Nach 3 Stunden haben wir das Ende des befahrbaren Flusses erreicht und wir ankern 3 Meilen vor der Stadt Skibbereen. Wir trampen in die Stadt und verschaffen uns dort einen ersten Überblick. Zahlreiche schöne Pubs und 2 abendliche Konzerte sorgen für Kurzweil und gute Laune. Derweil fällt die Petrine in einem knietiefen Rinnsal trocken. Das sorgt für viel Aufmerksamkeit bei vorbeifahrenden Autofahrern und für ein paar Probleme beim umfangreichen Lebensmitteleinkauf, der zur Niedrigwasserzeit an Bord verbracht werden muss. Bei Sonnenschein (heute schon wieder!) alles kein Problem, zumal die Ruderer vom nahe gelegenen Skibbereen Rowing Club hilfreich zur Stelle sind. Kurz vor Mitternacht machen sich die Konzertbesucher mit lauten Rufen vom Ufer aus bemerkbar. Das Rinnsal ist nun wieder ein Fluss und sie wollen per Beiboot übergesetzt werden.

Samstag, 28. Juli
Um 1.30 Uhr starten wir die ;Maschine und fahren in stockfinsterer mondloser Nacht eine Stunde flussabwärts. So wachen wir am Morgen im Sonnenschein vor einem efeubewachsenen Castle und vor allem auch in tiefem Wasser auf. Wir könnten sogleich weiterfahren, aber nach dem Fühstück gibt es erstmal ein morgendliches Bordkonzert. Anschließend wird Lust auf Landgang laut, aber das lässt die Tide nicht mehr zu. Außerdem können wir heute segeln und sogar sportlich. Mit ein paar Kreuzschlägen bei frischem Westwind kommen wir in Sichtweite des Fastnet Rock. Mittags laufen wir in die grandiose Kulisse des Naturhafens auf der Südseite von Clear Island ein. Zwischen 100 Meter hohen Hügeln mit felsiger Steilküste fällt der Anker um 13.30 Uhr. Allen ist sofort klar, dass wir den idealen Platz zum abendlichen Grillen gefunden haben. Zuvor wird aber noch die Insel erkundet. Der lebhafte Nordhafen liegt nur wenige hundert Meter entfernt, denn die Insel ist recht schmal tailliert. Einige schaffen es auch zur Ziegenfarm in den Bergen, zum alten Leuchtturm und zum See in der blühenden Heide. Auch auf Clear Island gibt es abendliche Konzerte; wir können beim Grillen ein paar verwehte Töne mithören. Ansonsten erfreuen wir uns am guten Essen, am dritten sonnigen Tag in Irland und am Mondaufgang über der tollen Szenerie.

Sonntag, 29. Juli
Heute hat Pia runden Geburtstag und der beginnt mit Ständchen, Tänzchen und Frühstück. Anschließend gehen wir Anker auf und entdecken bei der Ausfahrt aus dem Südhafen noch ein paar Höhlen und Torbögen zwischen den Felsen, die uns beim Reinsegeln entgangen sind. Gleich vor dem Hafen setzen wir alle Segel und rauschen mit Ostkurs an der Südküste entlang. Für die Westküste Irlands fehlt es uns am rechten Wind und so segeln wir eben zur Irischen See. Mittags gibt es ein paar Schauer mit wechselnden Winden, auch mal mit Flaute. Abends passieren wir den Old Head Of Kinsale und genießen ein ausgiebiges und sehr leckeres Hühnerfrikassee. Der Wind hat sich wieder stabilisiert und treibt uns zügig der Irischen See entgegen.

Montag, 30. Juli
Schon wieder Geburtstag und diesmal gleich zwei! Herzlichen Glückwunsch, Horst und Jochen. Ein Frühstück unter Segeln mit frischem Gebäck, Gesang und Tanz. Wenig später machen wir in Dunmore East fest, einem Fischereihafen vor Waterford. Vormittags vertreten wir uns die Füße an Land oder schlafen aus. Dann setzen wir wieder Segel und es geht flussaufwärts auf dem River Suir nach Waterford, der ältesten Stadt Irlands. Hier machen wir um 16.00 zum Geburtstagskaffee fest. Es nieselt und im Laufe des Abends kommt mehr und mehr Wasser von oben. Zum Glück gibt es gute Auswahl an Clubs und Pubs mit Livemusik. Dort verbringen wir den Abend bei Bier und Gesang. Auch der Käptn wird auf die Bühne verfrachtet und singt zur Freude des Pubs irische Folksongs. Für viel Heiterkeit sorgt auch die mitternächtliche Rückkehr der Kneipengänger, die bei Niedrigwasser über das Klüvernetz zurück an Bord klettern müssen.

Dienstag, 31. Juli
Nach dem Frühstück und bei strömendem Regen verlassen wir unseren Liegeplatz und fahren mit ablaufendem Wasser flussabwärts. Um 11.00 Uhr haben wir die offene See erreicht und bei mäßigem Südwest können wir sogleich Segel setzen. Die Coastguard schickt eine Wetterwarnung nach der anderen; Starkwind wird für den Nachmittag erwartet. Dennoch umsegeln wir bei trockenem Wetter, moderatem Wind und mit günstiger Tide Carnsore Point, die Südostecke Irlands. Um 19.00 müssen wir vor den Sandbänken von Wexford die Segel bergen. Wir finden den Weg durch die Brandung auf den „continuously changing sands“ und werden in Wexford von der Crew des Seenotretters überaus freundlich empfangen. Man versorgt uns mit Strom, Wasser und Tipps für abendliche Musik und zeigt sich erfreut, dass wir ohne Lotsen den Weg durch die Sände gefunden haben. Spät im Pub hat dann auch der Petrinechor seinen ersten öffentlichen Auftritt.

Mittwoch, 1. August
Heute bleiben wir in Wexford, denn auf der Irischen See stürmt es. Die Freunde vom Lifeboat haben unsere Gangway zwecks Reparatur zur Werkstatt gefahren. Auch sonst kümmern sich die Leute ausgiebig um uns. Der örtliche Bootsclub lädt zur Fahrt mit dem Schnellboot ein und das Interesse der Passanten ist groß. Seit Jahren hat kein größeres Segelschiff Wexford angelaufen wegen der schwierigen Ansteuerung über die Barre. Trotz stürmischen Windes erleben wir einen schönen Tag mit ganz passablem Wetter. Es gelingt sogar, die gewaschene Kleidung zwischen den Schauern zu trocknen. Abends findet eine schöne Jeder-kann-mitmachen-Session im Pub statt. Das hohe musikalische Niveau lässt allerdings heute keine Beiträge unsererseits zu.

Donnerstag, 2. August
Sonnig und windstill beginnt um 6.30 Uhr für uns der Tag. Wir wollen mit dem frühen Hochwasser die Barre überqueren. Drei Männer von der Lifeboat Association sind bei uns zu Gast; eine Motoryacht begleitet uns, um Fotos von diesem in Wexford nicht alltäglichen Ereignis zu machen. So setzen wir die Segel und werden auch gleich mit Wind belohnt. Wir setzen auch die Topsegel und erreichen um 8.00 die offene See. Als die Gäste zur Motoryacht übergesetzt werden sollen sind die Wellen allerdings bereits so hoch, dass dies nicht mehr ohne Gefahr möglich ist. Nach ein paar Versuchen, die Motoryacht längsseits anlegen zu lassen, brechen wir ab und beschließen, die Gäste nach Arklow zu bringen, etwa 30 Meilen weiter nördlich. Liegt ja sowieso am Weg. Bis um 14.00 segeln wir herrlich bei Sonnenschein und zunehmendem achterlichen Wind. Vor Arklow werden die Segel geborgen und Petrine macht, von vielen netten Menschen erwartet, in der Mündung des Flusses fest. Überrascht stellen wir fest, in einer echten alten Seefahrerstadt gelandet zu sein. „An Arklowman has always been a seaman“ steht auf der Tafel am kleinen Park, der an die auf See Gebliebenen erinnert. Unsere Freunde laden zur Besichtigung des Lifeboats ein: In Arklow wurde die erste irische Lifeboatstation gegründet. Auch über das Vereinsgelände der Seascouts werden wir geführt; hier wird der Nachwuchs mit Wasser und Seefahrt vertraut gemacht. Obendrein ist hier ab morgen Abend Hafenfest… Mit schlechtem Gewissen legen wir dennoch um 16.30 Uhr ab, denn der überaus günstige Südwind auf der Irischen See lockt doch zu sehr. So sehen wir die Wicklow Mountains im Sonnenschein, während Tide und Wind uns mit mehr als 8 Knoten dahinfliegen lassen. In der Abenddämmerung passieren wir die Lichter der irischen Metropole: Dublin leuchtet hell an Backbord.

Freitag, 3. August
Nach Mitternacht reduzieren wir die Segel, denn wir können nicht vor 8.00 ins Carlingford Lough einlaufen: Der Ebbstrom dort läuft mit mehr als 6 Knoten. Deswegen sind die Fahrwassertonnen dort auch bootsförmig gebaut – mit Kiel und Segel – und sie wenden sich jeweils mit dem Bug gegen den Strom, um nicht unter Wasser gedrückt zu werden. Wahr oder gelogen? Gelogen, hätte ich gesagt und es wäre falsch gewesen.
Während des Frühstücks spült uns der Flutstrom ins wunderschöne Carlingford Lough. 500 Meter hohe bewaldete und beweidete Berge auf beiden Seiten, Burgruinen aus der Wikingerzeit und aus späteren Zeiten; von alledem sehen wir nichts, denn es regnet in Strömen und wir sehen kaum die Ufer. Um 9.30 Uhr soll der Anker vor Carlingford fallen, was er aber nicht tut, denn die Kette hat sich im Seegang verunklart. 2 Minuten später schmeißen wir den Reserveanker an einer Trosse über die Reling. Nun liegen wir erstmal sicher im flachen Wasser, können die Kette klarieren und auf Hochwasser warten. Um 12.20 Uhr machen wir in Carlingford direkt vor der Burgruine von König Johann-ohne-Land fest. Angeblich hat er hier im 12. Jahrhundert die Magna Carta formuliert. Das Städtchen ist eines der schönsten von ganz Irland, mit mittelalterlichen Gässchen, alter Stadtmauer, vielen Ruinen und einem großen Hafen, der die meiste Zeit des Tages trockenfällt. Auch der Himmel bleibt für den Rest des Tages zwar bedeckt, aber trocken.

Samstag, 4. August
Regen in Carlingford, Wolkenuntergrenze 200m, Sicht etwa 2 km. Was machen wir denn nun? Zunächst wird das Sonnensegel über den Niedergang gespannt. Carlingford und seine Ruinen sind auch bei Regenwetter schön. Außerdem hört der Regen mittags auf. Und nachmittags wandern wir in die Berge bei Sonnenschein! Der Blick aufs Lough und hinaus auf die Irische See belohnen für den Aufstieg auf 600 Meter. Die Cooley Halbinsel ist Schauplatz der ältesten irischen Sagen. Hier sind Luft und Landschaft voller Geheimnisse und Geschichten. Und abends essen wir Irish Stew und Stockbrot am Torffeuer. Niemand will heute ins Pub, denn es ist wunderbar gemütlich in der Abendsonne an Deck und im Salon. Und Michael sorgt für die Musik.

Sonntag, 5. August
Mittags verlassen wir mit dem Hochwasser den gastlichen Hafen von Carlingford. Ziel ist die Isle Of Man. Und der Wind weht günstig aus Westen, also werden alle Segel gesetzt. Leider verlässt uns unmittelbar nach der Ausfahrt ins Loch der Wind. Völlige Flaute, Petrine steht ein paar Stunden dekorativ auf dem Wasser herum. Währenddessen wälzen wir Handbücher und Reiseführer auf der Suche nach Alternativen in der Nähe. Um 20.00 Uhr starten wir die Maschine. Der Hafen von Ardlass, County Down in Nordirland, 3 Stunden Maschinefahrt entfernt, erscheint attraktiv. Kaum sind die Segel hafenfein verpackt, setzt ein leichter Nordwest ein. Ab 20.40 segeln wir mit 3 bis 4 Knoten auf Ostkurs. Ziel ist nun wieder die Isle Of Man.

Montag, 6. August
Um 7.00 Uhr machen wir an der Außenmole des Hafens von Peel auf der Isle Of Man fest. Immerhin ein Liegeplatz, nicht nur eine Mooring oder eine Ankerbucht. Im Laufe des Tages verbessern wir unsere Lage weiter und am Abend liegen wir vor der Sielschleuse zur Marina. Strom- und Wasseranschluss. Bei Hochwasser reger Jacht- und Fischereiverkehr, bei Niedrigwasser ein Gebirgsbächlein an dessen Ufer ein grünen Wal gestrandet ist. Am anderen Ufer, dort wo die Sonne untergeht, eine weitläufige tausend Jahre alte Burgruine vor grünen Hügeln und blauem Meer. Das Städtchen ist hübsch und ruhig. Der Bus zur Inselhauptstadt Douglas fährt 20 Minuten und dort herrscht der Trubel einer Metropole. Der 600 Meter hohe Inselgipfel kann in anderthalb Stunden mühelos mit Hilfe einer 130 Jahre alten Elektroeisenbahn erklommen werden. Auf dem Gipfel überaus wohlriechende baumlose Heidelandschaft in kühlem Nebel. Erstaunlich, dass sich inmitten all dieser Wunder der halbe Ort für das dicke grüne German Ship im Hafen interessiert. Abends essen wir Manx Kippers. Heringe, die eine Woche lang in kaltem Rauch hingen, was ihnen und uns sehr gut bekommt, denn auf der Insel werden auch die passenden Verteiler produziert.

Dienstag, 7. August
Auch heute bleiben wir in Peel. Ein sonniger, ruhiger Tag im schönen Städtchen. Oder ein turbulenter Tag in Douglas. Oder ein Busausflug zur Südküste. Oder eine stundenlange Wanderung nach Ramsey an der Nordspitze. Oder eine museale Eisenbahnfahrt ins Hochland. Alles bei Sonnenschein, denn es hat sich ein Hochdruck durchgesetzt mit Sonne und Windstille.
Auch morgen bleiben wir in Peel.

Mittwoch, 8. August
Auch heute bleiben wir in Peel. Ein schöner, sonniger Urlaubstag.

Donnerstag, 9. August
Trotz Windstille verlassen wir früh um 6.00 Uhr den Liegeplatz am Bach vor dem Castle im schönsten Hafen, den die Petrine je sah. Wir tuckern über die Irische See nach Nordwesten zum Belfast Lough. Im spiegelglatten Wasser sind öfters auftauchende Wale oder Delphine zu erkennen. Leider sieht man aber auch ungewöhnlich viel Müll herumschwimmen. Um 17.00 machen wir wieder vor einem Castle fest, im Hafen von Carrickfergus. Dort will man uns aber nicht liegenlassen, wir sollen in die Marina verholen. Dort ist es aber teuer statt gemütlich und so gehen wir westlich des Hafens vor Anker. Das Belfast Lough liegt windstill und spiegelglatt in der Abendsonne.

Freitag, 10. August
Heute hat Matti Geburtstag und zum Frühstück wird gesungen und Kuchen gegessen im geschmückten Salon. Anschließend tuckern wir zum Hafen von Belfast. Hier machen wir um 10.30 Uhr in der Abercorn Marina direkt vor dem neuen Titanic-Quarter fest. Nach 746 Seemeilen ist dieser Törn nun zuende. Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter! Auch heute scheint die Sonne den ganzen Tag. Der Wind hat in den 3 Wochen manchmal gefehlt, aber wenn er geweht hat, dann günstig und mit der richtigen Stärke. Nicht einmal mussten wir reffen.
In den Abendstunden sitzen wir an Deck vor wunderbarem Sonnenuntergang. Oder gehen auf ein oder 5 Pints in den Pub und lauschen der Musik.

Samstag, 11. August
Bis mittags klaren die Irlandsegler das Schiff auf; so langsam trudeln die ersten Schottlandsegler an Bord ein. Ein neues Kapitel!

Schottland

Samstag, 11. August
Bis mittags klaren die Irlandsegler das Schiff auf; so langsam trudeln die ersten Schottlandsegler an Bord ein. Für morgen und die nächsten Tage ist starker Südostwind angesagt, denn ein kräftiges Tief passiert südlich oder westlich von uns. Aufgepasst!
Um 20.00 Uhr sind alle Schottlandsegler eingetroffen, trotz verspäteter und gestrichener Flüge. Bis um 22.00 sind wir mit den Formalien durch und somit startklar für morgen früh.

Sonntag, 12. August
Nach Tidenkalender müssten wir um 3.00 ablegen, aber wir können uns beherrschen und frühstücken erstmal ausgiebig. Um 9.00 Uhr verlassen wir den sehr praktischen, aber keineswegs gemütlichen Liegeplatz in der Abercorn Marina. Wir tuckern auf dem Victoria Channel aus dem Belfaster Hafen, den die Postmoderne noch nicht vollständig erobert hat. Noch gibt es eine arbeitende Werft, allerhand Fähranleger, Frachtumschlag und produzierendes Gewerbe. Schon gibt es aber auch das Titanic-Quartier, trendige Lofts, die Odyssee Arena und die Abercorn Marina. In London und Glasgow dagegen hat die alte Zeit schon definitiv aufgehört.
Im Belfast Lough setzen wir um 11.00 das gereffte Groß und die Fock und machen uns bei flottem Südostwind auf den Weg nach Norden. Es regnet und von der Küste ist auch nicht viel zu sehen, aber wir kommen mit 6 bis 7 Knoten voran. Später läuft die Tide dann ungünstig (weil wir nicht um 3.00 losgefahren sind) und auch die Schiffsbewegungen machen vielen zu schaffen. Um 18.00 Uhr passieren wir den Mull Of Kintyre, der allerdings in den Regenschwaden kaum zu erkennen ist. Immerhin wird es nun wieder ruhiger und alle können die abendliche Hühnersuppe genießen.

Montag, 13. August
Um Mitternacht segeln wir durch eine Dunkelheit, wie ich sie an Bord noch nie erlebt habe. Die Küste der Insel Islay an Backbord, falls überhaupt in Sicht, ist unbewohnt und über uns sind Mond und Sterne hinter kilometerhohen Wolken verborgen. Lichtverhältnisse wie in einem unbeleuchteten Tunnel. Um 2.00 segeln wir in den Sund zwischen den Inseln Islay und Jura. Der Wind lässt nach, die Tide wird ungünstig. Wir versuchen, im Hafen von Port Askaig anzulegen, aber das Manöver muss wegen hartem Strom und mangelndem Platz im Hafen 2 mal abgebrochen werden. Schließlich fällt der Anker um 4.00 in der Whitefarlandbay an der Küste von Jura.
Beim Frühstück regnet es in Strömen, an Landgang mit dem Beiboot ist auch nicht zu denken, denn es pfeift in der Takelage. Der nordsetzende Strom verbündet sich schließlich mit dem Südwind und unser Anker beginnt zu slippen. Am Besten segeln wir los. Ein Reff ins Besan; gerefftes Groß und Fock gesetzt und wir sausen zeitweilig mit mehr als 10 Knoten aus dem Sound Of Islay heraus. Der Leuchtturm am Nordende des Sundes wird bereits von der Sonne beschienen. Und das Wetter bessert sich im Laufe des Tages immer mehr. Dazu achterlicher Wind der Stärke 5 bis 6: Wir fliegen vorbei an Colonsay und Oronsay, wo wir vor 4 Jahren so begeistert tanzten. Wir fliegen vorbei an Iona, das doch nun wirklich jeder Schottlandbesucher gesehen habe sollte. Die Treshnish-Inseln bieten nicht genug Landschutz bei diesem starken Wind. Dann klart es vollständig auf und wir sehen im Norden die Insel Skye, im Osten die Insel Mull vor den Highlands im Westen Coll und Tiree und sogar die Hebriden, aber nur mit etwas Phantasie. Um uns herum sehen wir Walhaie von erstaunlicher Größe. Immer wieder liegen sie an der Oberfläche und scheinen vorsichtig dem Schiff zu folgen. Einer von 10 Meter Länge taucht schön langsam unter uns durch. Und den ganzen Tag jagen die Basstölpel um uns herum pfeilgleich ins Wasser. Dazu das grandiose Panorama der ganzen schottischen Herrlichkeit. Wer hatte das heute Morgen beim Frühstück erwartet? Um 22.00 Uhr machen wir auf der Insel Rum fest. 170 Seemeilen mit feinstem achterlichen Wind haben wir seit Belfast zurückgelegt. Noch schöner allerdings ist, was unterwegs alles gesehen haben.

Dienstag, 14. August
Jetzt wollen wir die Seefahrt trotz günstigem Wind mal hintanstellen und ein schönes Stück Schottland zu Fuß erkunden. Auf Rum gibt es dramatische Geschichte, hohe Berge, bewaldete Glens, Hochmoore, ein äußerst skuriles Castle und umbrandete Felsen. Ganz Schottland in klein.
Am Vormittag scheitern alle Versuche, in die vegetationslose Hochgebirgsregion vorzudringen an tief hängenden Wolken und kräftigen Regenschauern. Da haben es die Langsamen unter uns besser getroffen, cdenn sie treffen sich bei Kaffee, Kuchen, Internet und Spielzeug in der Community Hall. Das Wetter bessert sich wiederum im Laufe des Tages und der Nachmittag sieht uns als Felsenkletterer und Badende im hellen Sonnenschein. Der Wind schläft bis zum Abend völlig ein und so wird uns zum ersten Mal auf dieser Reise das schottische Problem Nr. eins präsentiert: Mücken. Allerdings fliegen sie nicht ins Schiff, dem Knoblauch sei dank. Trotzdem ist es schwer, nicht an Deck zu sitzen, denn der Sonnenuntergang, der Zauber der Bucht, die Stille und das Panorama der Highlands im Osten, all dies können die Mücken gar nicht verderben.

Mittwoch, 15. August
Um 6.00 Uhr starten wir von der Pier auf der Isle Of Rum. Kein Lüftchen regt sich auf See, wir motoren mit Kurs NNW zur Insel Skye. Bei bester Fernsicht haben wir die tausend Meter hohen Berge der Cuillins direkt an Steuerbord und die Berge der Hebrideninsel Harris weit im Nordwesten voraus. Um 7.30 setzt Wind ein, wir reffen aus und setzen Segel. Spätestens ab 10.00 bereuen wir das Ausreffen, denn das Schiff fliegt mit bis zu 8 Knoten an der atemberaubenden Küste von Skye entlang. Strahlender Sonnenschein, Bergkulisse und frischer Segelwind. Es ginge nicht schöner. Ab 11.00 tuckern wir gegen den starken Wind ins Loch Braccadale und weiter ins Loch Harport. Das Loch liegt wie in einem Amphitheater von hohen Bergen umschlossen und reicht weit ins Landesinnere hinein. Mittags machen wir an einer Pier in Carbost fest, direkt bei der Destillerie von Tallisker. Im Laufe des Nachmittags wird eine Besichtigungstour für morgen vereinbart, ein Ausflug in die Inselhauptstadt Portree organisiert, ein Auto gemietet. Oder es werden Miesmuscheln geschrubbt, die wir bei Niedrigwasser von den Steinen abgekratzt haben. Es reicht für eine ausgiebige Abendmahlzeit und hilft sehr, dass Tom in der Destillerie vorausschauend bereits lokale Produkte zur Verdauungsförderung erworben hat. Am Abend erkunden wir die Halbinsel mit dem Mietwagen. Neben der Landschaft erfreuen wir uns vor allem an den lebensgroßen Puppen, die hier in jedem Vorgarten stehen. Es gab hier einen Wettbewerb, wer die lustigste Puppe gestaltet und anscheinend hat sich die ganze Halbinsel daran beteiligt. Scottish sense of humour at its best.

Donnerstag, 16. August
Heute besichtigen wir die Tallisker Destillerie oder fahren mit dem Mietauto in die Berge. Abends wollen wir grillen. Es gibt Sturmwarnungen für Irland und Starkwindwarnungen für den ganzen Westen Schottlands. Wir bleiben in Carbost.
Und erleben wahre Wunder der Natur an den Hängen der Cuillins. Kristallklares Wasser hat einen tiefen Canyon in den Berghang hineingewaschen. Wasserfälle aller Art, Stromschnellen, ruhige, tiefe Seen, Steine in allen Farben auf dem Grund. Das alles vor dem Hochgebirgspanorama der Cuillins, deren Gipfel von Wolken gekrönt sind. Was für eine Landschaft.
Auch beim abendlichen Grillen auf der Pier von Carbost leisten die Berge einen Beitrag. Im Sonnenuntergang gleichen sie mit ihren ausgewehten Wolkenkronen einem soeben ausgebrochenen Vulkan.

Freitag, 17. August
Um 6.00 legen wir in Carbost ab und machen um 6.45 in Portnalong an einem Betonslip fest zum Wasserbunkern. Nach dem Frühstück sind beinahe alle frisch geduscht und der Tank ist voll. Wind weht heute wieder aus südlichen Richtungen. Zunächst noch schwach, das erlaubt uns letzte Blicke in das gastliche Loch Harport. Später wechselt die Stärke von Flaute bis heftig. Auch unser Ziel wechselt das eine oder andere Mal. Letztlich segeln wir um 21.00 Uhr unter vollen Segeln ins Loch Seaforth, das sich tief in die Insel Lewis hineinwindet. Heute sind nur die untersten hundert Meter der Berghänge am Ufer zu sehen, die restlichen 400 Höhenmeter liegen in den Wolken. Nun sind wir auf den Äußeren Hebriden angekommen. Um 22.00 fällt der Anker im Nieselregen vor dem Dorf Maaruig.

Samstag, 18. August
Bereits vor 7.00 ist viel Aktivität an Deck. Klarer Himmel und sonnenbeschienene Gipfel über dem Schiff. Baumlose Berge in allen 4 Himmelsrichtungen. Seehunde tummeln sich um uns her. Gleich nach dem Frühstück soll das Beiboot für Landerkundungen klargemacht werden. Daraus wird aber nichts, denn nach dem Frühstück prasselt ein Wolkenbruch nieder, begleitet von starken Böen. Erst um 10.00 ist alles wieder trocken und wieder muss erstmal fotografiert werden, denn gewaltige Wasserfälle zieren nun die Berghänge. Ab 11.00 tuckern wir mit der Petrine locheinwärts. Erstens muss die Schiffsbatterie geladen werden, zweitens ist dieses Loch so besonders schön. Mitten im Loch die 200 Meter hohe Seaforth Insel, unbewohnt seit ewigen Zeiten, ohne menschliche Spuren, wenn man vom vielen Fischereimüll absieht, der im Spülsaum liegt. Wir sammeln 4 neue Fender ein. Um 12.30 fällt der Anker vor Ardvourlie. Busse fahren von hier über die ganze Insel Lewis und Harris, die Insel Seaforth und die schönen Berghänge laden zum Wandern ein. Und im Schiff kann, ganz ohne Regen und bestens verpflegt, gelesen und gespielt werden.
Abends verkatten wir uns mit 2 Ankern, um den heftigen Böen zu trotzen, die aus den Bergen über und herfallen. Wir schlafen bestens.

Sonntag, 19. August
Alle Versuche, für den heutigen Tag eine Bustour über Lewis zu organisieren, sind gestern Abend fehlgeschlagen: Sonntags haben auf den Hebriden nur die Kirchen geöffnet. Also wollen wir heute nach Stornoway segeln. Das Aufankern klappt bemerkenswert gut, schon nach 20 Minuten sind beide Anker an Deck, bzw vor der Klüse. Leider erwartet uns vor dem Loch die Flaute. Nicht ein Lüftchen weht. Die Böen waren wohl ein reines Produkt der Berge. Also tuckern wir zu den Shiant Inseln im Minch. Dort fällt der Anker um 14.15 Uhr vor einer flachen Landbrücke zwischen den ansonsten sehr bergigen Inseln. Unbewohnt von Menschen seit 100 Jahren sind die Inseln Heimat für tausende brütende Seevögel. Sie sitzen in den steil, nahezu senkrecht abfallenden Berghängen. Die Inseln bestehen aus Basaltsäulen und die höchsten dieser Säulen sind 150 Meter hoch. Vom Wasser aus lassen sie sich in voller Länge bestaunen. An Land finden wir Ruinen und andere Siedlungsspuren, eine Süßwasserquelle, tolle Aussicht über den Minch bis nach Skye, Lewis und Harris und viele brauchbare Fender, die als Strandgut herumliegen. Das schönste aber ist die Ruhe und Athmosphäre auf diesen entlegenen Inseln. Um 18.00 gehen wir Anker auf, während das Beiboot noch eine Tour durch ein Felsentor macht, das bei Hochwasser passierbar ist. Die Kormorane wundern sich und die Mitfahrer sind beeindruckt vom Felsentor und vom reißenden Strom, der sie hindurchspült. Am Ausgang des Felsentores nimmt die Petrine Beiboot und Besatzung wieder an Bord.
Wir können die Segel setzen und machen 5 Knoten Fahrt. Leider ist nach einer Stunde alles wieder vorbei. So tuckern wir durch die Abendsonne an einer wunderschönen Küste entlang nach Stornoway, dem Hauptort der Hebriden.

Montag, 20. August
Überaus freundlich werden wir vom Hafenamt empfangen. Man erlaubt uns sogar, zwecks Reinigungs- und Schiffsarbeiten in einer Ecke des Hafenbeckens trockenzufallen. Die meisten von uns ziehen es aber vor, mit dem Bus zu den Standing Stones Of Callanish zu fahren. Heute Abend bleiben wir in Stornoway, morgen machen wir uns wohl auf den Weg zur schottischen Nordküste und zu den Orkneys. Südwest 4 ist angesagt, besser geht es nicht.

Dienstag, 21. August
Nach dem Frühstück – Brötchen von Tesco – verlassen wir den Hafen von Stornoway und segeln vor dem Wind auf Cape Wrath zu, das Kap des Zornes. Heute schläft es aber zum Glück. Es weht nur moderat aus Süden und wir laufen mal 5 und mal 2 Knoten, vor allem aber bei ständig besserem Wetter. Zur Kaffeezeit – Apfelkuchen – haben wir ausgezeichnete Fernsicht auf die höchsten Gipfel der Highlands. Östlich von uns liegt das ganze herrliche Panorama im Sonnenlicht. Westlich von uns verschwindet langsam die Küste der Äußeren Hebriden. Um uns herum springen Wale und Delfine, so ausdauernd und bisweilen auch so nah, dass irgendwann sogar das Fotografieren aufhört. Um 18.00 müssen wir mangels Wind die Maschine starten. Die Tide hilft sehr und wir runden um 22.30 in respektvollem Abstand mit über 8 Knoten Fahrt das zornige Kap. Wir nutzen die mitlaufende Tide noch bis nach Mitternacht.

Mittwoch, 22. August
In völliger Dunkelheit fällt um 2.00 Uhr der Anker in der Flussmündung des Kyle Of Tongue. Nachtruhe, Windstille, nur die brechende Dünung an den Felsen in sicherer Entfernung ist zu hören. Zu sehen ist gar nichts.
Nach dem Frühstück ist die Tide wieder günstig für uns und wir können direkt vom Ankerplatz lossegeln. Besan gesetzt, Fock klargemacht, Anker hochgekurbelt, Fock back gehalten und übergeholt, Klüver und Flieger und Großsegel gesetzt. Das macht 5 Knoten Fahrt aus der Bucht mit einem bedauernden Blick zur Insel Eileann nan Ron, die wir nun leider nicht besuchen werden, weil so günstiger Wind weht. Bald scheint die Sonne und voraus kommen die Orkneyinseln in Sicht. Die Sandsteinklippen von Hoy sind 300 Meter hoch und eigentlich wollen wir dort auch landen. Das haut aber mit der Tide nicht hin, die mit bis zu 8 Knoten durch den Archipel rauscht und deshalb hier immer das letzte Wort hat. Wir segeln also einen nördlicheren Kurs um später anzukommen und eine einfachere Ansteuerung nutzen zu können. Wieder müssen wir um 18.00 Uhr die Maschine starten, weil der Wind einschläft und so tuckern wir durch die Windstille in den Eynhallow Sound. Der zeigt sich aber trotz Windstille sehr turbulent. Wie ein reißender Fluss stürzt sich der Gezeitenstrom durch den engen Sund. Was die Brandung hier ausrichten kann, können wir an der steilen Sandsteinküste des Costa Hill sehen. Die Höhlen sind teilweise so groß, dass die Petrine mit Masten dort hineinsegeln könnte. Um 22.00 machen wir an der Pier von Rousay fest. Wir sind auf den Orkneys angekommen.

Donnerstag, 23. August
Herzlichen Glückwunsch zum 10. Geburtstag, lieber Richard! Leider regnet es in Strömen, was aber beim Frühstück niemanden stört. Die meisten ziehen für die Inselbesichtigung den Local Bus vor. Alsbald hört es auf zu regnen und wir lernen ein Stück Inselalltag kennen: Die Kinder werden von der Schule abgeholt, alte Omis werden zum Shop gefahren, Reisende werden von der Fähre abgeholt und deutsche Touristen werden zu den archäologischen Sehenswürdigkeiten gefahren. Alles ohne Fahrplan.
Die Insel ist erstaunlich wild und naturbelassen, der Unterschied zu den Hebriden ist nicht so groß wie erwartet. Um 13.30 können wir direkt von der Pier wegsegeln und mit einem flotten Westwind passieren wir in knapp 2 Stunden allerhand Inseln, Schären und Unterwasserfelsen. Um 15.30 machen wir in Kirkwall fest, dem Hauptort der Hebriden. Hier und auf der Hauptinsel Mainland ist nun alles wieder sehr zivilisiert und ordentlich. Wir ziehen uns um und gehen in die Stadt. Ab 18.00 ist es wieder windstill, aber das stört uns heute nicht.

Freitag, 24. August
Diesel bunkern, Wasser bunkern, Lebensmittel einkaufen. Wir bereiten uns auf die Fahrt über die Nordsee vor. Der Wetterbericht verspricht zunächst starken nördlichen, dann mäßigen südlichen Wind. Mal schauen, was wir daraus machen können.
Um 15.30 segeln wir in Kirkwall direkt von der Pier los. Eine sanfte Brise und ein kräftiger Gezeitenstrom tragen uns durch „The String“, die östliche Ansteuerung von Kirkwall. Um 18.30 fällt der Anker im Deer Sound. Hier sind wir ringsum von Land umgeben und können noch einmal richtig schön ausschlafen. Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verabschieden sich die Orkneyinseln.

Samstag, 25. August
Um 5.00 gehen wir im ersten Licht des Tages Anker auf. Völlige Windstille begleitet uns aus der Bucht, ruhig und friedlich liegt die Nordsee vor uns. Wir fahren dem angekündigten Nordwind schon mal ein Stück entgegen. Um 10.00 sind auch die höchsten und östlichsten der Orkneyinseln nicht mehr zu sehen. Schottland, wir danken sehr und sagen „Auf Wiedersehen!“ Zwei Stunden später segeln wir bei leichter Brise mit Topsegeln und Kurs ESE gen Helgoland. Über 400 Seemeilen liegen vor uns. Schon 3 Stunden später jagen wir mit über 8 Knoten übers Wasser. Topsegel, Flieger und Klüver werden geborgen; Groß und Besan gerefft. Wir laufen dennoch knapp 8 Knoten und freuen uns darüber, denn die mit diesem Wind unvermeidlich verbundene Welle hat sich noch nicht aufgebaut. Mit einsetzender Dunkelheit ist die Welle dann da und nicht allen sagt das zu.

Sonntag, 26. August
Wir rasen weiter dahin. 24 Stunden nach dem Ankerauf haben wir bereits 150 Seemeilen zurückgelegt. Frühstück und Mittagessen werden allerdings nur sehr sparsam eingenommen. Auch Crissies Nachmittagskuchen – der natürlich auch bei 7 Windstärken nicht ausfällt – wird nur von wenigen gewürdigt. Die Gesunden, immerhin eine gute Dreiviertelmehrheit, bestaunen die Wellenberge, die unter uns durch laufen. Nicht oft sieht man die See derart aufgewühlt vom Deck eines Segelschiffes. Im Laufe des Tages wird es aber ruhiger. Starkwind Seegang lassen nach und alle lassen sich an Deck blicken. In der Nacht klart es auf und wir segeln unter einem wunderbaren Himmel mit tausenden Sternen, Milchstraße und Sternschnuppen.

Montag, 27. August
Der Wind nimmt kontinuierlich ab und um 4.00 müssen wir die Maschine starten. Immerhin fahren wir weiterhin mit gut 5 Knoten auf Helgoland zu. Noch 130 Seemeilen bis dort. Aber die Seewettervorhersage droht uns mit Südostwind in beträchtlicher Stärke. Es wird klar, dass es bis Helgoland nicht reicht. Reicht es vielleicht bis nach List auf Sylt? Oder nach Hvide Sande in Dänemark? Werden wir von dort in den nächsten Tagen in die Elbe segeln können? Mit solchen Überlegungen vergeht der Nachmittag. Südostwind setzt ein und bald auch Welle von vorne. Im Lichte des Seewetterberichtes von 21.00 Uhr – für uns ist Südost Stärke 6 bis 7 im Angebot – wird klar, dass wir allenfalls Hvide Sande erreichen können und dort in den kommenden Tagen auch kein günstiger Wind zu erwarten ist. Wir setzen gereffte Segel und laufen ab nach Thyborön. Belohnt werden wir mit rauschender Fahrt durch die dunkle mond- und sternenklare Nacht.

Dienstag, 28. August
Um 7.00 bergen wir Segel vor Thyborön. Unter Maschine kämpfen wir uns gegen beträchtlichen Strom durch das Seehundelöb bis zur Nissum Bredning. Jetzt haben wir den Limfjord erreicht, eine seeschiffstaugliche Verbindung von der Nordsee zum Kattegat, 90 Seemeilen lang, quer durch Dänemark. Um 10.40 passieren wir die Oddesundbrücke und können Segel setzen, ungerefft sogar. Gemütlich und ohne nennenswerte Schiffsbewegungen segeln wir in den Tag hinein. Entspannt, fröhlich, albern ist die Stimmung an Bord, denn wir haben die Nordsee achteraus. Topsegel werden gesetzt und wir genießen typisches Kaffeesegeln in sicheren Gewässern. Am frühen Abend prasselt ein gewittriger Wolkenbruch auf uns nieder. Wir nutzen das viele Süßwasser, um Salz von Deck und Luke zu waschen. Eine Stunde später bestaunen wir die abziehenden Wolkenberge und segeln in den letzten Sonnenstrahlen des Tages auf Aalborg zu. Um 22.00 machen wir dort fest. 512 Seemeilen haben wir seit den Orkneyinseln in 89 Stunden zurückgelegt. Schnell gesegelt…

Mittwoch, 29. August
Heute ist ein schöner Frühherbstmorgen. Die Sonne scheint, es ist völlig windstill und gelegentlich wabern Nebelfelder über den spiegelglatten Limfjord. Mit Maschine tuckern wir dem Kattegat entgegen. Was sehen wir unterwegs zwischen Großstadtufer, Kraftwerk und Getreidesilos? Schweinswale und Seehunde! Um 10.30 machen wir zum Wasserbunkern in Hals fest. Hier bekommen wir zu hören, was für Glückspilze wir sind: Die Brücken in Aalborg funktionieren erst seit 3 Tagen wieder. Vorher hätten wir die Masten legen müssen. Stattdessen tuckern wir aufs windstille Kattegat hinaus und urlauben in den sonnigen Nachmittag hinein. Abends kommt Wind auf und bis Mitternacht erreichen wir mit flotter Fahrt hoch am Wind den Hjelmsund.

Donnerstag, 30. August
Der Wind legt noch zu und wir segeln mit bis zu 7 Knoten an der Westküste Samsös gen Süden. Bald ist es aber wieder vorbei mit dem Wind, wir gleiten sanft in die Morgendämmerung und laufen schließlich die letzten Meilen zur Insel Endelave unter Maschine. Auf Endelave erkunden einige das Dorf und die schöne Heidelandschaft der Insel, andere schlafen aus. Ab 13.00 tuckern wir wieder über den spiegelglatten Ententeich in Richtung des Kleinen Beltes. Dank Sonne, einladender Küste und schönen Schäfchenwolken am Himmel machen wir gut gelaunt um 18.00 in Middelfart fest.

Freitag, 31. August
Um 7.00 wollen wir ablegen und nach Kiel segeln, wenn denn wie angekündigt entsprechender Wind weht.

 

Und ob der Wind wehte. Wir setzten um 8.00 Uhr die Topsegel. Wir segelten einen ganzen Tag bei achterlichem Wind und Sonnenschein. Wir bargen um 22.00 vor Kiel-Holtenau die Topsegel.

Wir waren in Schottland.
Wir sind über die Nordsee gesegelt.
Es war wunderwunderschön.

Jetzt ist die Reise zuende.