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Die Rückfahrt über die Nordsee (10.-15.8.2002)

Samstag, 10. August
Morgens erwartet uns ein besonders schön geschmückter Salon, denn Susanne hat heute Geburtstag. Wir beschließen, um 10.00 Uhr endlich die langerwarteten und gründlich vorbereiteten Petrine-Highland-Games zu veranstalten. Leider nutzt der Käpt’n die Zeit, um Tide und langfristigen Wetterbericht zu studieren. Ergebnis: Wir müssen den heutigen Nordwind nutzen, um Strecke zu machen gen Süden, denn Mitte der Woche soll es sehr windig werden auf der Nordsee.
Um 10.00 Uhr legen wir also ab und segeln durch den heute wieder beeindruckend gurgelnden „String“, vorbei an hohen Kliffs und schönen Leuchttürmen, nehmen Abschied von Lummen und Papageientauchern, die wir weiter südlich nicht mehr antreffen werden. Nachmittags sehen wir 10 Seemeilen entfernt im Westen den berüchtigten Pentland Firth. Dort strömt es mit 12 Knoten, soviel muß es ja garnicht sein, uns hilft ein leichtes Schiebeströmchen von 2 Knoten. Abends schläft der Wind ein und wir tuckern durch die Nacht nach MacDuff.

Sonntag, 11. August
Um 5.00 Uhr machen wir fest im hübschen Fischerdörfchen MacDuff an der Südküste des Moray Firth. Damit haben wir unseren Kurs vom 11. Juli gekreuzt und die Umsegelung Schottlands vollendet! MacDuff ist ein hübsches kleines Fischerdörfchen, mit engen Gässchen an die Steilküste gebaut und mit einem entzückenden kleinen Hafen mit 4,50 Meter Tidenhub. Eine Flußmündung trennt MacDuff vom Nachbardorf Banff; hinüber führt eine wunderschöne steinerne Bogenbrücke, bestimmt schon ein paar Jahrhunderte alt. Von hier kann man beide Dörfchen sehen und bei Niedrigwasser studieren, wie so ein Fluß ins Gezeitengewässer mündet, wenn man ihn läßt, wie er will. Er baut dann rechts und links ein paar gründlich ausgekolkte Uferwiesen, ins Meer hinaus läßt er Kies- und Sandbänke wachsen: Zweimal täglich ein gedeckter Tisch für hunderte von Seevögeln. Trotz des Nieselregens nehmen wir etwas wehmütig Abschied von Schottland: 20.30 Uhr Leinen Los in MacDuff, nach 32 schönen Tagen in Schottland.
Der Wetterbericht für die kommenden Tage verspricht günstige Winde um West in mittlerer Stärke. Nun haben wir 400 Seemeilen Rückweg über die Nordsee vor uns und hoffen, am Donnerstag in Deutschland zu sein.

Donnerstag, 15. August
8.00 Uhr morgens ist Petrine fest in Helgoland.
Das war vielleicht eine schöne Fahrt über die Nordsee! Niemand ist seekrank geworden! Montag und Dienstag hatten wir flotten Westwind und konnten ständig mit 5 bis 7 Knoten auf direktem Kurs segeln. Dazu schien tagsüber die Sonne und nachts war es wunderbar sternenklar mit Meeresleuchten.
Mittwoch ließ der Wind nach, was aber auch so sein gutes hatte: Unsere Angler holten massenweise Makrelen an Bord. 200 Fische wurden gefangen, gesäubert, filettiert, eingesalzen. Fischvorräte genug haben wir nun, um noch eine Woche dranzuhängen. Aber wir sind wieder in Deutschland, unser Schottlandtörn ist zuende, nach 1870 Seemeilen und 400 Stunden auf dem Wasser.
Heute mittag werden wir weiterfahren ins Nordfriesische Wattenmeer und am Samstag werden wir in Husum sein. Das wird bestimmt auch ganz schön, aber wir werden viel an Schottland denken.

Besser hätte ich mir den Törn im voraus nicht ausmalen können: Zweimal sind wir gut und sicher mit günstigen Winden über die Nordsee gesegelt, wir haben Loch Ness, die Inneren und Äußeren Hebriden, die Highlands und die Orkneyinseln gesehen und viele freundliche Menschen getroffen. Petrine war hoffentlich nicht zum letzten Mal in diesem wunderschönen Segelrevier unterwegs.

Lesen Sie auch unseren Erfahrungsbericht aus seemännischer Sicht.

Jochen Storbeck
Über den Autor
Jochen Storbeck segelt seid 1991 mit der Petrine